
Eines meiner Lieblingsbücher!
Ein fast 900 Seiten starker Roman, der in, man kann schon fast sagen „ausufernder“ Art und Weise, ganz große Themen behandelt, nämlich Freundschaft und Liebe; Wissenschaft und Religion; Gott und Teufel und Leben und Sterben.
Im Mittelpunkt des Romans steht die Männerfreundschaft zwischen Max Delius und Onno Quist. Max ist Astronom und Frauenheld und Onno ein monogamer, zynischer Philologe. Der eine ist der Sohn einer Jüdin und eines der größten Kriegsverbrecher der Niederlande, der andere stammt aus einer calvinistischen Politikerfamilie. Zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein können und zwischen die, vom ersten Augenblick ihrer Begegnung an, kein Blatt mehr passt.
Eines Tages tritt die Cellistin Ada in das Leben der beiden Männer und aus dieser Dreiecksbeziehung entsteht ein Sohn, Quentin, der von Max und von Adas Mutter großgezogen wird, obwohl Onno glaubt, dass es sein leibliches Kind ist und er nicht ahnt, dass sein bester Freund Max eine kurze Liebschaft mit Ada hatte.
Klingt kompliziert? Ist es auch und muss es auch sein, allerdings nicht für den Leser, sondern für die zwei Engel, die den Rahmen der Geschichte bilden. Sie sind nämlich von Gott beauftragt, den Pakt mit den Menschen aufzulösen. Die Menschen haben sich vom Glauben abgewandt und der Wissenschaft zugewandt und sie zerstören die Schöpfung. Um den Vertrag mit Gott zu lösen, bedarf es eines Auserkorenen, der sich einer Prüfung stellen muss. Und ein solcher kann heute allerdings nicht mehr durch göttliche Fügung ernannt werden, sondern nur über Genetik. Und so müssen die beiden Engel über drei Generationen für allerlei komplexe Geschehnisse sorgen, damit Quinten geboren wird und mit bestimmten Interessen und Fertigkeiten ausgestattet ist. Schnell weiß man als Leser, dass die seltsamen und grausamen Geschehnisse kein Zufall sind, sondern, dass genau diese Begebenheiten notwendig sind, damit Quinten seinen himmlischen Auftrag erfüllen kann.
Die Entdeckung des Himmels ist einerseits ein Buch, dass sich mit großen Fragen beschäftigt und das andererseits auch einen Blick auf die Geschichte der Niederlande seit dem zweiten Weltkrieg bietet.
In den Niederlanden wurde Harry Mulisch oftmals mit Thomas Mann oder Robert Musil verglichen. Er ist ein großer Erzähler, der übrigens mehrfach als Anwärter für den Literaturnobelpreis galt, ihn aber nie erhielt.
Ich gebe unumwunden zu, dass 900 Seiten nicht immer voller Motivation zu lesen waren, aber auch das Durchhalten hat sich gelohnt und so ist „Die Entdeckung des Himmels“ auch nach so vielen Jahren eines der Bücher, an die ich immer wieder zurückdenke und das in meinen TopTen landet!
„Die Entdeckung des Himmels“ von Harry Mulisch
Rowohlt Verlag, ISBN 978-3-499-13476-0, 880 Seiten