„Für Polina“ von Takis Würger

Fritzi Prager reist im Sommer vor ihrem Abitur nach Italien. Dort trifft sie einen Mann, mit dem sie eine kurze Affäre hat. Zurück in Deutschland stellt sie fest, dass sie schwanger ist. Sie bringt einen Sohn zur Welt: Hannes Prager.

Schon kurz nach seiner Geburt begegnet er Polina – ihre Mutter ist die Bettnachbarin von Fritzi im Krankenhaus. Die beiden alleinerziehenden Frauen werden Freundinnen, und so kreuzen sich auch die Wege von Hannes und Polina immer wieder. Eine Zeit lang leben sie sogar gemeinsam beim alten Heinrich Hildebrand in einer abgelegenen Villa im Moor nahe Hannover.

Der kauzige Heinrich wird für Hannes zu einer Art Ziehvater. Er öffnet ihm die Tür zur Musik – und schnell wird klar, dass der stille, introvertierte Junge ein musikalisches Wunderkind ist. Mit nur 17 Jahren komponiert Hannes eine Klaviersonate für Polina, um endlich auszudrücken, was er für sie empfindet. Doch Polina scheint ihn eher so zu lieben, wie eine Schwester ihren Bruder liebt.

Als Fritzi Prager auf tragische Weise ums Leben kommt, muss Hannes zu seinem leiblichen Vater nach Hamburg ziehen. Kurz darauf beschließt er, nie wieder Musik zu machen. Nachdem auch sein Vater stirbt, verdient Hannes seinen Lebensunterhalt als eine Art Möbelpacker – er transportiert Klaviere. Für seinen achtsamen, respektvollen Umgang mit den Instrumenten wird er sehr geschätzt.

Polina und Hannes sehen sich immer seltener, bis sie sich schließlich ganz aus den Augen verlieren. Seine Gefühle für sie aber bleiben unverändert. Alles, was ihm bleibt, ist die Melodie, die er einst für Polina komponiert hat.

Takis Würger hat mit „Für Polina“ eine märchenhafte, große Liebesgeschichte geschrieben – und das ohne jede Spur von Kitsch. Besonders überzeugt haben mich jedoch die Nebenfiguren: die starke Fritzi mit ihrer unerschrockenen Mutterliebe, der raue, eigenwillige Heinrich Hildebrand mit seiner unerwarteten Leidenschaft für Musik, aber auch die weniger sympathischen Figuren, die gerade durch ihre Ecken und Kanten glaubwürdig bleiben.

Mein Lieblingsbuch 2025! Deshalb gebe Ihnen folgenden, vielleicht leicht abgenutzten, aber hier vollkommen berechtigten Satz mit auf den Weg:

„Wenn Sie in diesem Jahr nur ein Buch lesen, dann unbedingt ‚Für Polina‘ von Takis Würger.“

„Für Polina“ von Takis Würger, 
Diogenes VerlagISBN 978-3-257-07335-5, 304 Seiten