
Seit mehr als siebzig Jahren fahren Menschen mit der Astoria über die Weltmeere – diesen Namen allerdings trägt sie erst seit 2016. Ihre Reise begann 1946 als Stockholm. Nach der Kollision mit der Andrea Doria wurde das Schiff an die DDR verkauft und fuhr ab 1960 unter dem Namen Völkerfreundschaft.
In dieser Zeit lernen sich die Stewardess Simone und der Matrose Henri kennen. Jahrzehnte später betreten sie das Schiff erneut – diesmal als Passagiere. An Bord begegnen sie Frida, die bereits bei der Taufe 1946 anwesend war und deren persönliche, tragische Geschichte so eng mit dem Schiff verknüpft ist, dass sie ihm unter nahezu jedem seiner Namen folgte.
Zwei ergreifende Erzählstränge, zahlreiche Rückblenden und siebzig Jahre Geschichte lassen vor dem Hintergrund des ältesten seetüchtigen Kreuzfahrtschiffs der Welt die Vergangenheit lebendig werden.
Katie Naumann erzählt einfühlsam von Menschen und schildert zugleich kenntnisreich und anschaulich ein Stück Schifffahrts- und Zeitgeschichte.
Mir hat „Fernwehland“ ausgesprochen gut gefallen. Die beiden Erzählstränge sind klug miteinander verwoben, die Schicksale berühren und wühlen auf. Wieder einmal wurde mir bewusst, wie wenig ich über die Geschichte der DDR weiß.
Umso dankbarer bin ich Katie Naumann, die auf unterhaltsame und zugleich informative Weise einige meiner Wissenslücken schließen konnte.
„Fernwehland“ von Kati Naumann
HarperCollins Verlag, ISBN 978-3-365-00743-3, 416 Seiten