„Zwischen uns und morgen“ von Peter Zantingh

Robin hat sich am Morgen mit seiner Freundin Tess gestritten. Man weiß zu Beginn nicht, was zwischen den beiden vorgefallen ist, und merkt nur die Dringlichkeit, die für den jungen Mann geboten ist, sofort aufzubrechen und seiner Lebensgefährtin zu folgen.

Tess ist Illustratorin und auf dem Weg zu einer Buchvorstellung in Süddeutschland. Robin will ihr mit der Bahn von Utrecht aus folgen. Dafür führt ihn sein Weg durch das von der Sturmflut verwüstete Ahrtal.

Während der Zugfahrt resümiert er seine Vergangenheit. Er hatte sich immer für die Umwelt eingesetzt und viel darüber nachgedacht, was die nachfolgende Generation noch erwarten kann. Beherrscht werden seine Überlegungen davon, ob es in der heutigen Zeit, die von sich häufenden Naturkatastrophen geprägt ist, überhaupt zu verantworten ist, ein Kind in die Welt zu setzen. Und genau darüber will Robin mit Tess reden.

Das sehr Besondere an diesem Buch ist, dass Zantingh eine Art Experiment mit der Leserschaft wagt. Während der gesamten Zugfahrt ist für die Leser*innen nicht eindeutig zu erkennen, ob Robin bereits Vater ist oder ob er darüber nachdenkt, sich für oder gegen ein Kind zu entscheiden. Während er sich also in der eine Szene liebevoll um einen zwei- bis dreijährigen Sohn kümmert, ist er in der nächsten Szene wieder allein mit seinen Gedanken über die Verantwortung, die er trägt.

So beleuchtet Peter Zantingh immer wieder andere Blickwinkel. Der Autor ist selbst Vater eines Sohnes und sagte in einem Interview, dass Eltern zum einen wollen, dass ihr Kind/ihre Kinder da sind, weil sie sie so sehr lieben. Und zum anderen ist es genau diese Liebe, die begründet, dass man sich wünscht, die Kinder seien nicht da, damit sie nicht einer Zukunft ausgeliefert sind, die eine Katastrophe für die Menschen und die Erde sein wird.

Ein neuer Zantingh! Ein Roman über die Sinnsuche in unserer Zeit. Wieder einmal traurig und sehr schwermütig und wieder einmal trifft er einen durchaus tröstlichen Ton. Außerdem zeigt der Autor, wie ich finde, sehr gut, in welcher Situation sich die Generationen (gerade noch meine, aber viel mehr noch die, die jünger sind) befinden und was ihre Beweggründe sind, sich für oder gegen Kinder zu entscheiden.

„Zwischen uns und morgen“ von Peter Zantingh
Diogenes Verlag, ISBN: 978-3-257-07289-1,176 Seiten