„Im Licht der Lofoten“ von Sophie van der Linden

Der Roman „Im Licht der Lofoten“ von Sophie van der Linden erzählt von der schwedischen Malerin Anna Boberg und ihrem Streben, jenes eine Bild zu malen, das ihr endlich auch in Schweden die Anerkennung bringen soll, die sie in Frankreich und Italien längst erfahren hat.

Anna Boberg, 1864 in Stockholm geboren, begann vergleichsweise spät, professionell zu malen. Sie war vielseitig begabt, insbesondere in der Textilkunst und Architektur, stand jedoch lange im Schatten ihres Ehemanns, des Architekten Ferdinand Boberg. Die gemeinsamen Reisen in den Norden Norwegens prägten ihr Werk nachhaltig: die Mitternachtssonne, die schroffen Berge, das gleißende Eis – all das wurde zu ihrem künstlerischen Markenzeichen.

Trotz internationaler Anerkennung blieb ihr in Schweden lange die volle Würdigung versagt. Erst im späten 20. Jahrhundert setzte eine kunsthistorische Neubewertung ein; heute gilt sie als eine der eigenständigsten nordischen Landschaftsmalerinnen ihrer Zeit.

Diesen biografischen Hintergrund macht Sophie van der Linden zum emotionalen Motor ihres Romans. Schauplatz ist eine einsame Hütte auf den Lofoten. Seit ihrem ersten Aufenthalt ist die Künstlerin fasziniert von Eis, Wind und Nordlicht. Gemeinsam mit ihrem Ehemann errichtet sie dort ein Refugium. Immer wieder kehrt sie – zunehmend auch allein – an diesen entlegenen Ort zurück, getrieben von dem Wunsch, ein Werk zu schaffen, das ihr endgültig künstlerische Anerkennung sichert.

Die Autorin schlüpft tief in das Innere dieser Künstlerpersönlichkeit und zeichnet eindrucksvoll deren Leidenschaft nach. Mit großer Poesie und zugleich präziser Sprache beschreibt sie die Landschaft und macht jede Veränderung des Lichts spürbar. Sie schildert jeden Pinselstrich, jedes Zögern, jedes Ringen um Ausdruck. Detailliert und eindringlich lässt sie die Leserinnen und Leser am Entstehungsprozess der Gemälde teilhaben.

Der Roman verlangt Aufmerksamkeit und Geduld, denn er folgt keinem handlungsgetriebenen Spannungsbogen. Seine Stärke liegt vielmehr in der Empathie, mit der die Autorin den intimen Schaffensprozess einer Künstlerin erfahrbar macht. Die Worte, mit denen van der Linden das Entstehen der Bilder schildert, sind ein Genuss. Akribisch beschreibt sie das Mischen der Farben, das Beobachten der Gletscher, das Verzweifeln am flüchtigen, wechselnden Licht. Besonders eindringlich gelingen ihr die Naturbeschreibungen – das arktische Leuchten wird beim Lesen beinahe körperlich spürbar.

„Im Licht der Lofoten“ ist ein intensiver Roman über künstlerische Leidenschaft und darüber, wie Kunst entsteht.

Heute ist Anna Boberg eine anerkannte Künstlerin und gilt als eine der eigenständigsten nordischen Landschaftsmalerinnen ihrer Zeit.

„Im Licht der Lofoten“ von Sophie van der Linden
Mare Verlag, ISBN 978-3-86648-753-6, 128 Seiten